Faber-Castell Polychromos vs Derwent Coloursoft: Der große Buntstift-Vergleich für Erwachsene
Du stehst vor dem Regal, zwei Stifte in der Hand – der eine mit dem satinierten grünen Gehäuse von Faber-Castell, der andere mit der typisch gelben Derwent-Hülle. Beide kosten mehr als die Stifte, die du sonst benutzt. Und trotzdem fragst du dich: Faber-Castell Polychromos vs Derwent Coloursoft – welcher Stift wird mich auf den nächsten hundert Seiten begleiten?
Keine Sorge, diese Frage stellen sich viele erwachsene Ausmalbuch-Fans und Hobbymaler. In diesem Vergleich zerlegen wir beide Serien in ihre Bestandteile – von der Minenformulierung über die Farbpalette bis zum Preis pro Stück. Am Ende weißt du genau, welcher Stift zu deiner Hand, deinem Stil und deinem Budget passt.
{{HERO_IMAGE}}Was macht diese beiden Buntstiftserien besonders?
Bevor wir in die Details einsteigen, kurz die Ausgangslage: Faber-Castell Polychromos kommen aus Stein bei Nürnberg und sind seit Jahrzehnten der Inbegriff professioneller ölbasierter Buntstifte. Ihre Formulierung – eine Mischung aus Pigmenten, Ton und Bindemitteln auf Ölbasis – sorgt für einen Strich, der sich aufbauen lässt wie Schicht um Schicht Farbe auf einer Leinwand.
Derwent Coloursoft hingegen stammen aus dem Lake District in England und setzen auf eine wachsbasierte Rezeptur. Das Ergebnis ist eine Mine, die sich fast wie Kreide anfühlt – weich, fast üppig, mit einer Farbabgabe, die vom ersten Strich an intensiv ist. Wenn Polychromos der kontrollierte Architekt sind, dann sind Coloursoft der spontane Maler.
Beide Serien richten sich an erwachsene Künstler. Das merkt man an der Verarbeitungsqualität: bruchsichere Minen, ergonomische Holzhülsen, und – im Fall von Polychromos – eine Aluminium-Nitrat-Beschichtung, die das Rundschärfen erleichtert. Faber-Castell baut hier auf jahrzehntelange Erfahrung im professionellen Künstlerbedarf.
Farbpalette und Farbton-Reichtum im Vergleich
Bei der Farbpalette zeigt sich schnell: Beide Hersteller nehmen ihre Aufgabe ernst, aber mit unterschiedlicher Philosophie.
Die Polychromos-Palette umfasst 120 Farbtöne – eine beeindruckende Bandbreite, die von zarten Pastelltönen bis zu tiefen, satten Erdtönen reicht. Was mir besonders auffällt: Die Braunserie ist außergewöhnlich differenziert. Wer regelmäßig Hauttöne mischt oder naturalistisch arbeitet, wird diese Feinabstufungen zu schätzen wissen. Die Pigmentierung ist durchdacht: Jeder Farbton ist einzeln auf Lichtechtheit geprüft und trägt ein entsprechendes Etikett.
Die Coloursoft-Palette begnügt sich mit 72 Farbtönen – auf den ersten Blick weniger. Doch der erste Strich auf Papier verrät: Diese Farben kommen mit einer Intensität daher, die man bei anderen wachsbasierten Stiften suchen muss. Die Farben erscheinen voller, weniger staubig, fast schon leuchtend. Das liegt an der höheren Pigmentkonzentration pro Millimeter Mine. Wer mit weniger Farben auskommt, weil er ohnehin viel mischt, wird hier kaum eine Lücke spüren.
Ein praktischer Hinweis für Ausmalbuch-Fans: Viele erwachsene Ausmalbücher nutzen Vorlagen, die auf bestimmte Farbwelten optimiert sind. Für botanische Illustrationen punktet die differenzierte Grünstufung der Polychromos. Für abstrakte oder expressive Seiten lockt die sofortige Farbpower der Coloursoft.
{{IMAGE_2}}Textur und Malverhalten: Wie fühlt sich der Strich an?
Hier trennen sich die Geister – und ehrlich gesagt auch meine eigenen Vorlieben je nach Projekt.
Ein Polychromos auf glattem Papier fühlt sich an wie ein präzises Werkzeug. Die Mine gleitet kontrolliert, hinterlässt einen Strich mit klarer Kante. Beim Übereinanderlegen einer zweiten Schicht spürst du, wie sich die Farbe mit der ersten verbindet, ohne zu verschmieren. Das ist die Stärke der ölbasierten Formulierung: Sie bleibt obenauf, lässt sich aber mit Druck und Lösungsmittel (oder einem Blending Stift) verblenden. Nach ein paar Schichten hast du eine fast airbrush-artige Glätte erreicht.
Die Coloursoft verhalten sich grundlegend anders. Von der ersten Sekunde an fühlt sich der Strich weich und nachgiebig an. Es ist, als würde die Farbe fast von selbst auf das Papier fließen. Die wachsbasierte Mine erzeugt eine leichte Textur – nicht unangenehm, aber spürbar. Was mich anfangs überrascht hat: Trotz der Weichheit bleibt die Mine erstaunlich bruchsicher, solange du nicht wie ein Wilder drückst.
Nach einer Woche intensiven Ausmalens – konkret: ein 40-Seiten-Ausmalbuch in sieben Tagen – habe ich bei den Coloursoft festgestellt, dass die Mine schneller abnutzt. Das ist kein Defekt, sondern Charakter. Bei Polychromos brauchst du länger für dieselbe Fläche, was sie auf Dauer wirtschaftlicher machen könnte – aber dazu später mehr.
Eignung für verschiedene Maltechniken
Welcher Stift eignet sich für welche Technik? Hier eine ehrliche Einschätzung aus der Praxis:
Schichttechnik und Gradienten: Polychromos dominieren dieses Terrain. Der schrittweise Aufbau von hell nach dunkel gelingt mühelos. Jede neue Schicht integriert sich, ohne die vorherige zu stören. Ich habe damit Porträts gemalt, bei denen ich fünf übereinanderliegende Schichten brauchte, um den gewünschten Hautton zu treffen – das Ergebnis war ein kaum zu überbietender Realismus.
Blending und Verblenden: Coloursoft verschmelzen geradezu von selbst. Ein paar Striche nebeneinander, leichtes Verstreichen mit dem Finger oder einem Blending Tool – die Übergänge verschwinden wie von Geisterhand. Bei Polychromos brauchst du mehr Geduld und oft ein Lösungsmittel oder einen speziellen Blending Stift, um denselben Effekt zu erzielen. Dafür bleibt bei Polychromos das Blending länger kontrollierbar.
Aquarelltechnik: Ein两者惊喜: Beide Serien vertragen sich mit Wasser. Polychromos auf Ölbasis bleiben nach dem Wässern strukturierter – perfekt für nass-in-nass-Übergänge mit klaren Konturen. Coloursoft werden beim Wässern fast like Aquarellfarben, erzeugen weiche, fließende Effekte. Je nachdem, was du suchst, punkten hier unterschiedliche Stärken.
Große Farbflächen: Das ist eindeutig Coloursoft-Terrain. Für eine komplette Seite in einem Ausmalbuch für Erwachsene mit gleichmäßiger Farbabgabe sind die wachsweichen Stifte schnell und effizient. Polychromos fordern hier mehr Ellenbogenarbeit – was nicht schlecht sein muss, wenn du die Zeit für meditative Ausmalarbeit genießen willst.
Feine Details und Konturen: Polychromos mit ihrer härteren, feineren Mine sind hier klar im Vorteil. Scharfe Linien, filigrane Muster, Augen in einem Porträt – hier zeigt sich die Ingenieurskunst der Nürnberger. Coloursoft können das auch, aber die weichere Mine verzeiht weniger, wenn deine Hand einmal abrutscht.
Preis pro Stift: Was bekommst du für dein Geld?
Jetzt zur unbequemen Wahrheit: Keine der beiden Serien ist günstig. Und doch gibt es spürbare Unterschiede.
Faber-Castell Polychromos liegen im Einzelstück-Vergleich je nach Bezugsquelle bei etwa 2,50 bis 3,50 € pro Stift. In der 12er-Set-Box wird es etwas günstiger, aber der Grundpreis bleibt premium. Dafür bekommst du: zertifizierte Lichtechtheit (meist ASTM Klasse I-II), eine Mine mit hohem Pigmentanteil, und eine Verarbeitung, die für jahrelangen Gebrauch ausgelegt ist.
Derwent Coloursoft sind im Einzelhandel etwas günstiger angesiedelt, etwa 1,80 bis 2,80 € pro Stück. Die Minesind dicker (3,5 mm im Vergleich zu 3,0 mm bei Polychromos), was bei intensiver Nutzung mehr Fläche pro Stift bedeutet. Der Lichtechtheits-Test ist weniger formal dokumentiert – die Qualität ist da, aber ohne das gleiche Zertifizierungs-Rigging.
Rechnet man den Verbrauch pro Fläche, kann sich das Bild verschieben: Coloursoft decken schneller ab, nutzen sich aber auch schneller ab. Polychromos halten länger pro Stück, brauchen aber mehr Schichten für die gleiche Deckkraft. Für ein einzelnes Ausmalbuch-Projekt ist der Unterschied kaum spürbar. Wer aber über Jahre hinweg mehrere Projekte pro Monat malt, wird den Kostenunterschied im Portemonnaie merken.
Fazit: Für wen ist welcher Stift die bessere Wahl?
Nach all dem Vergleich bleibt eine einfache Erkenntnis: Es gibt keinen universalen Gewinner. Beide Stifte sind hervorragend, aber für unterschiedliche Künstler und Projekte.
Greif zu Faber-Castell Polychromos, wenn du... detaillierte Illustrationen mit feinster Kontrolle planst, Wert auf Lichtechtheit legst (für Verkauf, Ausstellung oder Weitergabe), Techniken wie Schichtaufbau und nass-in-nass-Aquarell ausprobieren möchtest, und bereit bist, für nachgewiesene Qualität etwas mehr zu investieren.
Greif zu Derwent Coloursoft, wenn du... schnelle, expressive Ergebnisse ohne lange Eingewöhnung willst, am liebsten große Flächen gleichmäßig ausmalst, Blending und Verblenden ohne viel Werkzeug bevorzugst, und ein begrenztes Budget hast, aber trotzdem nicht auf cremige Textur verzichten möchtest.
Und wenn du dich nicht entscheiden kannst? Viele erfahrene Künstler, die ich kenne, besitzen beide Sets. Coloursoft für den lockeren Untergrund, Polychromos für die Details obendrauf – das ist keine Schande, sondern kluge Werkzeugauswahl.
Egal für welche Serie du dich entscheidest: Beide werden dein Ausmalerlebnis auf ein Level heben, das mit Schulkästchen-Buntstiften einfach nicht erreichbar ist. Stöbere unsere Kategorie für weitere Premium-Buntstifte und finde das Set, das zu deinem nächsten Projekt passt.